Fachinformationen für den Kreativ-Fachhandel
Herausgegeben von → michael schebesta konzept und design gmbh

Handarbeiten nach corona
→ Schwerpunktthema:

Wohin des Weges?

"Handarbeiten führt seit Jahren ein Nieschen-Dasein - auch ohne Corona. Aber jetzt hat es eine besondere Chance, das deutlich zu ändern."

→ Ist mit den Lockerungen für Handarbeitsläden wirtschaftlich wieder Land in Sicht? Oder tauchen sie (und wir alle!) immer noch durch dunkle Tiefen? Vielleicht an ein völlig neues Ufer, an dem wir dann vor unbekanntem Neuland stehen? Welche anderen Bedingungen, Sitten und Gebräuche gibt es da? Welche Zukunft und welche Chancen erwarten uns?

Dazu aktuell unsere 3 Beiträge:

"Bitte nicht einfach
nur weiter so"

VIDEO: Kritische und damit impulsgebende Einblicke in ihre durch Corona veränderte Beziehung zu Handarbeiten gibt uns eine erwartungsfrohe Kundin - stellvertretend für möglicherweise viele. Ihr Fazit: Es lag schon vorher einiges im Argen ... → zum Video-Beitrag

Handarbeiten in & nach Corona

Corona und die Folgewirkungen haben die Menschen verändert. Welche neuen Perspektiven öffnen sich daraus für Handarbeiten und wie kann auch der stationäre Handel davon profitieren? ...
→ zum Artikel "Handarbeiten morgen"

Blick in die Zukunft → Teil I

update:me 05.2020
von Michael Schebesta

Das Danach

→ Was Zukunftsforscher vorhersagen - ein Überblick

Fast noch mehr noch als die Krise selbst macht die monatelange Antwortlosigkeit mürbe, wie lange sie anhält. Zwar mögen die aktuellen Lockerungen nach Entspannung aussehen - doch davon scheint die Welt noch weit entfernt. Was also für die eigenen Planungen dringlich wäre - neben staatlichen Geldern, Dankesreden und (z.T. unlogischen) Maßnahmen - ist eine Spur mehr Gewissheit ihres weiteren Verlaufs. Sucht man hierzu in den offiziellen Quellen verlässliche Antworten, begegnen wir jedoch einer eher irritierenden Vielfalt möglicher Szenarien:

Das Fazit vorab:

Sofern noch zu Beginn Anfang März erhofft, ist das anfangsoptimistische "Bald vorbei" mittlerweile der sich verfestigenden Ahnung gewichen, eine Normalisierung sei erst im Sommer, nein eher Herbst, vielleicht auch Jahresende denkbar. Wirtschaftlich reden Fachleute hier gar von Jahren (z.B. McKinsey: 2028) - zu tief und einschneidend seien die ökonomischen und sozialen Eingriffe der Regierungen in den somit gesamtgesellschaftlich infizierten Patienten. Geschwächt sein wird also jeder irgendwie - sofern er keine (u.U. auch radikalen) Ideen zur Immunisierung entwickelt. So spreizen die Prognosen von achtsamkeitserwecktem Gewandelthaben gesellschaftlich-ökonomischer Werte bis hin zum apokalyptischem Endzeitthriller - alles scheint drin. Letzteres nicht bestimmt ausschließen zu können, ist die schlechte Nachricht.

So gegensätzlich die Experten die Krisenverläufe und deren Folgen auch beschreiben (siehe Quellen unten): Einig sind sich alle Vorhersager (auch die unten nicht zitierten), DASS Veränderungen stattfinden werden und die Welt nicht mehr dieselbe sein wird wie vor Corona.
WIE sie aber aussehen wird, dazu entwerfen sie die unterschiedlichsten Szenarien. Spekulationen im (sie vor Verbindlichkeit schützenden) Konjunktiv. Das ist eine gute Nachricht.

Die gute Nachricht:

Denn gerade diese Ergebnisoffenheit lässt auch die positivste Version zu: das Vertrauen in die sich stets neu am Hier und Jetzt ausrichtenden, sich ständig selbst organisierenden Erfindungskräfte des Menschen. In die der anderen, und das Vertrauen in die eigenen. Diese evolutionäre Kreativität im Änderungswillen bei insbesondere unangenehmen Situationen hat häufiger auf überraschende Weise die Zukunft gestaltet als es die oft linearen Prognosen vorhersehen konnten. Beispiele dazu gibt es zuhauf.

Mentale Herausforderung

Damit ist das Eintauchen ins Feinstofflichere gar nicht mal so weit: Es geschieht, was gedanklich (vom Einzelnen oder einem Kollektiv) ritualisiert und dramatisiert wird; worauf jemand mit seiner Aufmerksamkeit und Beschäftigung alle Energien lenkt und "einzahlt" - bekannt als "Self Fulfilling Prophecy". Das Denken formt die Realität. Erfolg (und Mißerfolg) sind Folgen.

Insofern ist die Bewältigung der Krise auch in Teilen ein persönliches mentales Thema: die Bewältigung von Ängsten in uns und der Mut zu neuen Taten (= DAS übrigens zentrale Thema einer jeden alten und modernen Heldensage, quer durch die gesamte Weltliteratur und den Film).

Und hier die Voraussagen aus den sich aufdrängenden Quellen - kurz zusammengefasst:


HINWEIS: → Die nachfolgend zitierten Prognosen der Experten sind nicht nur Abbilder ihrer sich z. T. einander ausschließenden Theorien, sondern zugleich Selbstauskünfte über ihr Denken. Auch Zukunftsprognostiker verfolgen Interessen und stehen dabei im Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Anerkennung. Auch eine Krise ist ein Markt - und Deutungshoheit ist hierin Kapital.


1.) das Strategiepapier des Bundesinnenministeriums

das - zunächst geheim gehalten (auch von den Medien!) - vier Szenarien beschreibt ... → mehr

→ Beginnend mit - mittlerweile überholt - "Schneller Kontrolle" (Rückkehr des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens zur Normalität ab dem Ende der Osterferien),
→ über "Rückkehr der Krise" (Wiederkehr der Epedemie in der zweiten Jahreshälfte)
→ und "langem Leiden" (Rückkehr zur Normalität erst gegen Jahresende) bis hin
→ zum "Abgrund" (wirtschaftlicher Zusammenbruch, dessen gesellschaftliche und politische Konsequenzen kaum vorstellbar sind).
Was davon wahrscheinlicherweise eintreten wird, weiß auch das Bundesinnenministerium nicht - aktuell bleiben 3 übrig, der Gedanke an das "lange Leiden" scheint sich langsam zu etablieren.


2.) die V-, U- und L-Szenarien der Finanzwirtschaft

Im schlimmsten aller Fälle, dem L-Szenario, müsste davon ausgegangen werden, dass ... → mehr

die Pandemie dazu führen könnte, dass einzelne Staaten die ökonomischen und sozialen Folgen im Alleingang ohne Bemühen um Konsens bekämpfen wollen und werden. Dabei würden globale Wertschöpfungsketten zur Disposition gestellt, Firmen würden gedrängt, stärker im jeweiligen Heimatmarkt zu agieren. Doppelstrukturen und andere Ineffizienzen könnten Gewinne und Wirtschaftswachstum pulverisieren. Auf den Coronavirus-Einbruch würde eine lange Stagnation folgen. Die Idee der globalen Kooperation (auch die der EU) würde obsolet. Drastische Preisanstiege wären eine Folge.
→ Im Fall des "U" zöge sich die Virus-Epidemie bis über den Sommer hin. Damit würde auf ein schwaches erstes Quartal ein mindestens ebenso schwacher Dreimonatszeitraum folgen.
→ Im "V-"Szenario (überholt) sollte es lediglich im ersten Quartal 2020 zu einem leichten Rückgang der Wirtschaftsleistungs kommen. Spätestens im zweiten Halbjahr hätten Nachhol-Effekte sichtbar werden und zu einem überdurchschnittlichen Wachstum führen können. Hätten.
→ Viele aus der Finanzwelt tendieren noch zum "U". Erfinden aber mittlerweile ein (bislang nicht als Prognose erkanntes) zusätzliches "W". Soviel zu Prognosen.


3.) die Prognose von Matthias Horx, Zukunftsforscher

Sein Frankfurter "Zukunftsinstitut" stellt 4 Szenarien in den Raum, zunächst das ... → mehr


→ der "totalen Isolation", in der Globalisierung der Vergangenheit angehört, ebenso wie gelingende Beziehungen zwischen den Ländern. Diese konzentrieren sich wieder auf sich.
→ Im "System-Crash" befindet sich die Welt weniger in totaler Abschottung als vielmehr in einem Feld voller Spannungen: Statt Offenheit und Kooperationsfreude handeln Nationen in eigenem Interesse.
→ Beim Szenario "Neo-Tribes" rücken Provinzen und kleinere Gemeinschaften wieder in den Fokus und traditionelle Handwerksberufe erleben eine neue Hochsaison. Die getriebene Konsumgesellschaft wird abgelöst von weniger kapitalistischen Konsummuster.
→ Auch im Szenario "Adaption" herrscht ein verändertes Konsumverhalten. Große globale Konzerne mit Marktmacht wie Amazon werden von vielen kleinen Unternehmen ersetzt und auf der Welt ist eine globale Identität mit einem Wir-Gefühl entstanden, in der der Umgang mit Big Data, Predictive Analytics und KI nutzbringender als zuvor eingesetzt wird. Ferner glaubt (oder hofft) Horx, dass die Gesellschaft im kommenden Herbst höflicher geworden sein wird. "Wir werden zur Ruhe gekommen sein, wir werden wieder Bücher lesen und wir werden erkennen, dass die Menschheit und die Menschlichkeit der viel gepriesenen künstlichen Intelligenz überlegen ist. Wir werden sehen, dass weder die Weltwirtschaft noch unser Leben - anders als immer wieder in Vor-Corona-Zeiten prognostiziert - nicht zusammenbrechen, nur weil Konjunktur und Börse eingebrochen sind".


4.) die ökonomisch geprägten Voraussagen verschiedener Autoren

aus Unternehmensberatungen, Marktforschungsinstituten, Journalismus, Wirtschaft, Verbänden, usw. ... → mehr

die je nach eigenem Beobachtungsschwerpunkt (positiv oder negativ) erkennen ...
→ eine dauerhafte Änderung des Konsumverhaltens hin zu lokalen Einkaufsquellen, Hofläden, bewussterem und wertschätzenderem Ge-/Verbrauch von Dingen und Ressourcen, → einen Revival des Handwerks und → gar der sozialen Marktwirtschaft, → den Trend zur De-Urbanisierung und Stadtflucht → neuen Boom des Häuslichen (u.a. Boom der Baumärkte, Verdoppelung ihres Onlineumsatzes für Werkzeuge und Gartenbedarf), → den sich etablierenden Trend zur stärkeren Bevorratung, → steilen Anstieg des Onlinehandels mit erhöhten Bestellmengen, dominanter Krisengewinner: Amazon (ganz im Gegensatz zur Horx'schen 'Adaptions'-These oben) → eine Normalisierung des Einkaufsverhaltens in frühestens einem Jahr (Boston Consulting) → hohe Arbeitslosigkeit, drastischer Einbruch des BIP (aktuell -25% gg. Vorjahr) ... → weiterhin sehr starke Belastungen bis mindestens Ende 2020, eher 2021 → McKinsey geht bei linearen Bekämpfungserfolgen des Virus von einem Wiedererreichen des bisherigen Wachstumspfades erst 2028 aus.


5.) das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH)

sieht ein zunehmendes Ladensterben, allerdings seit Jahren schon und auch ohne Corona: ... → mehr

Demnach werde sich die Zahl der Verkaufsstellen im stationären Einzelhandel bis zum Jahr 2030 durch geänderte Kaufgewohnheiten und den Siegeszug des Onlinehandels noch einmal um bis zu 80.000 verringern. Seit 2005 sank die Zahl der Einzelhandelsunternehmen in Deutschland bereits um 39.000 auf knapp 226.000. Das Bemerkenswerte dabei: Die Geschwindigkeit des Ladensterbens hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter erhöht. Zu den Verlierern im Markt gehören vor allem die Modebranche, der Buchhandel und die Spielwarenläden, aber auch der Handel mit Wohnaccessoires (Verlagerung nach Online mangels Attraktivität stationären Kaufs).
Mit der Coronavirus-Epidemie hat das Ladensterben, so das IFH, "eigentlich nichts zu tun. Doch die Coronavirus-Krise könnte diesen Prozess jetzt stark beschleunigen".

WAS JETZT ZU TUN IST:

  • MENTAL: Kräfte sammeln, Mind-Set positiv ausrichten → Die Ergebnisoffenheit der Expertenprognosen lässt auch die positivste (nicht prognostizierte!) Version zu: das Berücksichtigen der sich stets neu ausrichtenden Erfindungskräfte der Gesellschaft (Medizin, Wirtschaft, Politik, usw.). Naiv ist das nicht - eher pragmatisch → nicht gelähmt zu sein in der Krise und vorbereitet zu sein auf die Zeit nach der Krise. Kurz: Die äußere Krise nicht zur inneren zu machen. Dies ist die persönliche Herausforderung - manche nennen es "Prüfung".
  • PRAKTISCH: siehe Beiträge unten. Ergänzend für konkrete Maßnahmen → siehe Checkliste in den jew. Links

"Wer nicht vorbereitet war auf die Krise, sollte den Fehler nicht ein zweites mal machen: Nicht vorbereitet zu sein auf die Zeit danach".


EMBEDDING: → für das Verlinken des Beitrags in Ihrer Publikation copy & paste diesen Link:
http://www.update-me.de/um_2020_05.html#forscher

Blick in die Zukunft → Teil II

update:me/tv 05.2020
Interview

"Bitte nicht einfach nur 'weiter so'"

VIDEO: Lernen aus der Krise?

Heike Ritter, passionierte Modefan, Schmuckdesignerin, Malerin und Gelegenheitsschneiderin gibt - möglicherweise stellvertretend für viele Kundinnen - im sehr offenen Gespräch mit uns kritische und damit impulsgebende Einblicke in ihre Beziehung zu Handarbeits- und Stoffgeschäften und ihre Hoffnungen auf die durch die Krise ausgelösten Veränderungen ...

"Es wäre schade um diese kreative Branche, wenn ausgerechnet ihr nichts Neues zu sich selbst einfällt".

Blick in die Zukunft → Teil III

update:me 05.2020
von Michael Schebesta

Handarbeiten
in & nach Corona

→ Mehr Wir ums Ich

Was jetzt ist:

in der Krise: → Kontaktsperren und Ausgangsbeschränkungen erhöhen die Hauszeiten deutlich (vergl. enorme Zuwächse Spiele, Gaming-Portale, Entertainment) → jahreszeitenbedingtes Outdoor kann sich (außer Spazierengehen, Fahrradfahren) nur sehr eingeschränkt realisieren → lokalisiert sich stärker auf (sofern vorhanden) Balkon/Terrasse/Garten → Stay home bietet Themenrahmen für Heimtextil, Gartenstuhl-Auflagen, Tischdecken, Picknick-Accessoires, usw. (Ideen und Dekors/Sets entwickeln!) → bereits handarbeitsaffines Publikum wird Zeitressourcen nutzen und intensivieren → bislang handarbeitsfernes Publikum wird Beschäftigung neu entdecken, sofern attraktive Motivatoren publiziert werden! (> neue Inspirationen gefordert, nicht die bisherigen) → beide werden jedoch Ausgabebereitschaft dafür aufgrund ungewisser eigener finanzieller Zukunft eher senken → Eigenfertigung von Kleidung mangels "öffentlicher Bühne" eher rückläufig → auch Kaufmode aktuell eher unattraktiver (akut Stress- statt Schmöker-Genusskauf), also Besinnung auf Bestände → Textilhandel wird mit enormen Preisnachlässen Frühj./Sommer gegensteuern müssen (Badesaison und Urlaube fallen aus, Herbstware bereits in Startlöchern, Orderverträge nicht mehr reversibel) → für Handarbeitsläden gilt: höherfrequente Kundenbegleitung, Themen-Inspiration und -Motivation jetzt (!) entscheidend für zukünftige Kundenbindung → Handel wandelt sich damit von der Warenausgabe zum Sinn- und Contentlieferanten, dafür mediale Formen finden → für bislang noch nicht handarbeitsaffine Neuzielgruppen gelten bereits heute insbesondere auch nächste Punkte ...

Was sein wird (postcoronal):

Generell: → Im Zuge u.a. gestiegener Wert-Erachtung von Dingen wird auch Handarbeiten zunehmen (Gründe siehe unten) → so entstandene Beschäftigungs-Motivation/-Lust erwartet "positive Belohnung" → dies bereits beim Einkauf (freudiges Erlebnis als entscheidende Motivations-Etappe im Gesamtprozess, negatives kann lange Zeit hemmend wirken) → primär erlebnisdominant ist das Raumgefühl im Laden → Interieur erhält höheren Stellenwert → die meist funktional orientierte, nüchterne "Regallager"-Atmosphäre vieler Läden ist nicht befriedigend (war sie auch vor Corona schon nicht!) → dort häufig überquellendes Warenangebot zerstört nicht nur Atmosphäre und Muße (kontradiktional zur Beschäftigungsabsicht) → sondern verstopft die Übersichtlichkeit (empfundenes Chaos), überfordert & stresst, verkürzt die Verweilmotivation → Warenpräsentation muss übersichtlich, überschaubar und anregend sein → eher weniger Ware, dafür inspirierender.

Soziale Dimension: → Kundinnen wollen postcoronal nicht länger nur alleine zuhause und für sich werkeln (angeleitet von anonymen Youtube-Tutorials), → sondern vermehrt face-to-face innerhalb eines kreativen Gemeinschaftserlebnisses in der persönlichen Gemeinschaft mit Gleichgesinnten → nach (erzwungener) Introversion nun Extroversion → dort in der sich selbst motivierenden Community gegenseitig voneinander die Anerkennung erhalten (Lohn) → Flow-Erlebnis

Nähkurse: → statt funktional in abgetrennten Hinterzimmern im Lagerraumlook → an einem Ort der live-interaktiven, gemeinsamen Inspiration, des Friedens, der Leichtigkeit und Freude → in schönem, geborgenem und wohlfühligem Ambiente → unter begleitender (nicht lehrender!) Anleitung von 1 bis 2 Erfahrenen. → Schulisch geprägte Nähkurse mit primär lehrenden Charakter (Prinzip: Können & Leistung) wandeln sich zum sinnlich freudeorientierten, kollaborierenden Mit- und Voneinander-Erlebnislernen ohne Leistungsmaßstäbe bei einem Maximum an Freude am gemeinsamen kreativen Selbsterleben (vergl. z.B. Theatergruppen). → Vision: kreative Ateliers mit Treffpunkt-Atmosphäre in wohnlich-inspiriendem Laden-Ambiente mit Kaffee, Sekt(chen) und Kuchen, dazu dezent Musik → mit öffentlich sichtbarem Live-Community-Appeal (Schaufenster!)

Insgesamt: → hohe Visions-Stärke mit großen Zukunftschancen für eine Neuausrichtung von Handarbeitsgeschäften! → Hohes Verjüngungspotenzial des Laden- und (in Folge) Branchenimages!

Die Gründe:

Ganz gleich, wie schnell und mit welcher Intensität die Krise die Gesellschaft durchflutet (siehe Teil I):

→ Durch die eigenen Verlust- und Verzichtserfahrungen wird der Mensch aus den Höhen des sorglos-selbstverständlichen und zugleich seelenlos-technokratischen Konsums zurückgeworfen auf sich selbst. Auf das Erleben seiner innersten Ängste, Sorgen, Wünsche und Hoffnungen.
Sofern dies nicht allein im angstgetriebenen, radikal-rücksichtslosen Egoismus mündet (wie von Zukunftsforschern als worst-case-Möglichkeit prognostiziert), wird er sein zukünftiges Verhältnis zu sich selbst, zum eigenen Leben und dem Miteinander mit anderen sowie zu all seinen äußeren Erscheinungen wie Konsum, Karriere, Besitz usw. intuitiv überdenken und - zumindest für eine gewisse Phase der Rekonvaleszenz - neu definieren. Bevor er dann vielleicht wieder in die alten Gewohnheitsmuster einrastet (in diesem Fall aber wäre die Krise endgültig überwunden und mental bewältigt).

→ In der Phase der nachwirkenden Verzichtserfahrung werden die Dinge deutlich mehr wertgeschätzt und der Wunsch nach Nachhaltigkeit und Selbstversorgung dürften sich verstärkt haben. Handwerkliches wird einen erhöhten Stellenwert erhalten, das Geld wird weniger verpulvert für z.B. industrielle Massenmode und Uniformität. Der Wunsch nach "Seele" und Nähe wird sich verstärkt haben.

→ Vor allem ist man waidwunder geworden im sozialen Kontakt. Die weitreichenden Entbehrungen im sozialen Miteinander durch Ausgangsbeschränkungen und Home office konnte man sich zwar noch rechtfertigen durch die Vernunft (und dies auch nur mit zunehmend motivatorischem Aufwand), keinesfalls aber durch das Gefühl. Dieses wurde in eine physische und vor allem psychische Isolation gezwungen, die den Einzelnen geschwächt hat.
Nun aber möchte er nicht länger alleine vor sich hinarbeiten (handarbeiten), sondern dabei ein Gefühl der Gemeinsamkeit und Zugehörigkeit erreichen und dieses Gefühl energiegewinnend ritualisieren. Er möchte seine Freude in der Gruppe erleben, sich von ihr anregen und inspirieren lassen, die gemeinsame Schwarm-Kreativität für sich nutzen und auf diese Weise sicher und zuverlässig persönliche Erfolge erreichen (statt alleine zuhause vor dem Computer Online-Tutorials zu schauen). Die Finalisierung dieses Gefühls wird er in seinem Werk mit eigenem Namenslabel-Etikett besiegeln.

→ Diese kreative Insel-Gemeinschaft erzeugt für das eigene Endprodukt bereits die vollkommen ausreichende Anerkennung, die in der isolierten Welt (sogar auch vor Corona) meist versagt bleibt und darum bereits vor der Krise meist via Online-Social-Medias (Insta, Youtube, Facebook, Pinterest) in einer Art "Leistungswettbewerb" ohne echte Beziehungsqualität eingefordert werden muss. Damit enttarnt die Krise die Seelenlosigkeit der Online-Communities, in der real fühlbare Empathie bereits technisch bedingt kaum herstellbar ist. Insofern ist die Krise auch eine große Chance zur Re-Materialisierung, zur Renaissance des Realen und Persönlichem gegenüber dem Virtuellen.

Die Chancen:

→ Ermöglicht der stationäre Handel diese Erfolgserfahrungen und schafft er dafür die Grundlagen in Raum, Warenangebot und Kundeninvolvement, werden sie weit über die erste Rekonvaleszent-Phase nach Corona hinausreichen wollen und das Handarbeits-Image neu formen können.
→ Versäumt er es, ermöglicht und schafft er seine eigene Krise. Die mit Corona allerdings dann nichts mehr zu tun hat.

WAS JETZT ZU TUN IST - MENTAL:

  • Akzeptieren: dass Corona den Menschen verändert hat und die Selbstveränderung des Fachhandels keine optionale Kür, sondern eine konsequente Folge und Anforderung daraus ist
  • Umdenken: Handel ist nicht Warenausgabe mit nüchternem Lagercharakter, sondern kann/muss Station und Teil eines erlebnisreichen "Kundenfilms" werden (sog. "Customer Experience")
  • eigene Kreativität verstärken und
  • Instrumente und Anlässe erfinden, die Kunden begleiten, inspirieren, motivieren und sinnstiftend wirken
  • Haltung gegenüber Laien/Anfängerzielgruppe überdenken
  • Gedanken verabschieden, durch Masse an Ware überzeugen zu können (ist ohnehin chancenlos gegen das Internet), stattdessen: Atmosphäre, Nähe, Miteinander, Menschlichkeit ...

WAS JETZT ZU TUN IST - PRAKTISCH:

  • schlecht drehende, raumintensive Artikel (z.B. bei Stoffen) ausmisten und Platz schaffen für Übersichtlichkeit, gedanklichen Raum und "Luft zum Atmen"
  • Beleuchtung/Lichtatmosphäre auf Wohnlichkeit und Warenbrillanz prüfen, ggfls. ersetzen oder ergänzen
  • falls keine Kundenkartei vorhanden: jetzt Voraussetzungen dafür installieren und anlegen
  • Kunden-Mailings und -Bindungsmaßnahmen entwickeln
  • nach Corona: Freifläche für Gemeinschaftlichkeiten schaffen, Kaffeebar, Sekt, usw.
  • Nähkurse neu aufstellen und positionieren, nicht Schule & Hinterzimmer sondern Kollaboration und Erlebnisbühne
  • u.v.a.m. → weitere Ideen entwickeln, neue Lust auf Veränderung finden, Konzept machen, Personal motivieren, evtl. externe Hilfe holen ...
  • das folgende Kapitel "Zukunftswerkstatt" ansehen, am Thema dranbleiben, sich weiter interessieren

"Die innere Kraft des Handarbeiten war stets, eine soziale Tätigkeit zu sein. Damit ist sie unbesiegbar".


EMBEDDING: → für das Verlinken des Beitrags in Ihrer Publikation copy & paste diesen Link:
http://www.update-me.de/um_2020_05.html#handarbeiten

Blick in die Zukunft → Teil IV

update:me 05.2020
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